079 251 25 68  Ferggerweg 5, 3380 Wangen an der Aare
Ein weißes Wohnmobil parkt vor einem Hügel mit surrealen, bunt bemalten Felsen in einer Wüstenlandschaft.

Selbstfindung

Sie sind hier: Wohnmobile - Camper - Reisen & vieles mehr » Wer sind wir » Selbstfindung

Der Spiegel der Gesellschaft: Zwischen Selbstfindung und Nächstenliebe

Wie oft sehen wir Menschen, die auf dem Weg sind, sich selbst finden zu wollen? Sie besuchen Kurse, reisen in Selbstfindungscamps oder pilgern auf dem Jakobsweg, um ihr wahres Ich zu entdecken. Dabei wird ihnen gebetsmühlenartig eingetrichtert, dass Selbstliebe der Schlüssel zum persönlichen Glück sei. Sich selbst zu erfahren und an die eigenen Grenzen zu gehen – das sei der einzig wahre Weg.

Wenn ich diesen Gedanken konsequent weiterverfolge und dabei unsere europäische Gesellschaft betrachte, überkommt mich ein beklemmendes Gefühl. Denkt bei uns nicht fast jeder zuerst an sich selbst? Wir stellen das eigene Ich an die erste Stelle. Kaum jemand ist mehr bereit zu teilen, wenn es bedeutet, auf etwas Eigenes zu verzichten. Die moderne Maxime lautet: „Ich muss mich schließlich selbst lieben, um mich zu finden.“ Und so überhäufen wir uns mit den neuesten Modetrends und bewegen uns in einer Ellbogengesellschaft, in der das Übervorteilen anderer längst alltäglich geworden ist. Die vermeintliche Selbstliebe, die uns den Weg weisen soll, mutiert so zu einem selbstzerstörerischen Werkzeug. Es regiert das „Ich“ – das Gebot der Nächstenliebe hingegen wird kaum noch gelebt.

Ein Mann blickt in eine weite, buschige Landschaft unter einem bewölkten Himmel.

Die Selbstfindung

Ich kann versuchen, in mich hineinzuschauen und mein eigenes Ich zu finden. Doch der Blick in die Ferne lässt mich nicht los. Denn das eigene Ich existiert nur im Hier und Jetzt. Erst wenn wir den Blick weiten und den Menschen begegnen, erkennen wir oft, dass die tiefere Erfüllung nicht im Ich, sondern im Miteinander liegt.

Eine Afrika-Reise zur Selbstfindung

Die Selbstfindung und Grenzerfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent könnten ja der ideale Spielplatz sein, um an die eigenen Grenzen zu gehen, um Angst zu überwinden und sich mit den Gesetzen der Natur auseinanderzusetzen. Viele starten mit solchen Gedanken auf einen solchen Trip in der Hoffnung, sich hier zu finden. Sie stellen sich vor, dass gerade in der einsamen Weite jene Bilder, die sie von Afrika im Kopf tragen, in Erfüllung gehen: Nur sie, mit der Natur vereint.

Es gibt auch andere, die sich an Gruppen anschließen, um doch nicht ganz auf sich selbst angewiesen zu sein – in der Hoffnung, so ans Ziel zu gelangen und sich auf diesem Kontinent zu finden.

Beide Typen werden dabei wahrscheinlich enttäuscht werden. Der eine, der die Einsamkeit sucht und sie in Afrika kaum findet, weil es in Afrika heute keine Einsamkeit mehr gibt. Der Afrikaner findet dich immer, und seine Art ist nicht die der Europäer, dass er dich links liegen lässt. Nein, seine Art ist es, dass er sehr wissenshungrig ist. Er will erleben, wie du lebst. Er will sich als Freund bei dir einbringen und zuletzt will er etwas von dir lernen oder wenigstens dein Lächeln bekommen. Denn sein Lächeln hat er dir sofort geschenkt und wahrscheinlich auch seine Lebenszeit, die er im Moment mit dir teilen will. Somit kann sich der, die Einsamkeit gesucht hat, wieder nicht verwirklichen, weil es fast unmöglich ist, diesen Platz in Afrika zu finden.

Der andere, der sich einer Gruppe anschließt, merkt sehr schnell, dass er sich unterordnen muss, oder er glaubt im besseren Fall, dass eine Weggemeinschaft entstehen kann, die in der Gruppendynamik als Team funktioniert. Nur wird diesen Menschen auch hier sehr schmerzhaft vor Augen geführt, dass eine solche Gruppe nur funktionieren kann, wenn eine Person die Dominanz auf sich nimmt, um die Geschwindigkeit des Reisens vorzugeben, oder wenn sie ohne langes Zögern sogar die Routenwahl vorgibt. Der, der sich selber sucht, muss hart erleben, dass er bei einer Afrikadurchquerung wohl nicht seinen Idealen oder seinem Rhythmus folgen kann, sonst wird die Gruppe auseinandergerissen und ihre Funktion in den Werten total geschwächt. Dies kann so weit gehen, dass sich eine solche Reisegruppe selber zerfleischt und nur mit sehr viel Mühe überhaupt funktionieren kann.

Eine Afrika-Reise dient wohl nur in Ausnahmefällen Menschen, die sich dabei selber finden und ihre Eigenliebe wirklich ausleben können.

Nur zurück zum Gedanken: Warum rennt der Mensch heute solchen Idealen nach?

Zurück
Weiter
  • Ein Spaziergang am Meer.

    Ein Spaziergang am Meer.

    Die schönsten Gespräche finden oft in der Stille statt – mit der Natur, mit einem Hund oder mit sich selbst.

  • Ein Fenster zum Leben.

    Ein Fenster zum Leben.

    Nicht jeder Durchblick verändert die Welt. Aber jeder kann unseren Blick auf sie verändern.

  • Das Feuer entfacht die Gedanken.

    Das Feuer entfacht die Gedanken.

    In seiner Wärme finden wir oft Antworten, die wir in der Hektik des Alltags nie hören würden. 🔥

  • Die Straße ist nicht endlos. Sie führt nur weiter.

    Die Straße ist nicht endlos. Sie führt nur weiter.

    Entscheidend ist nicht, wie weit wir reisen, sondern welche Spuren wir auf unserem Weg hinterlassen. ❤️

  • Auch der Regenbogen hat nicht nur eine Farbe. Er widerspiegelt das Leben. 🌈❤️

    Auch der Regenbogen hat nicht nur eine Farbe. Er widerspiegelt das Leben. 🌈❤️

    Der Regenbogen fragt nicht nach Herkunft oder Besitz. Er schenkt seine Farben jedem, der hinschaut. Vielleicht sollten wir Menschen das auch öfter tun. ❤️

Der Verlust der kollektiven Ideale

Was ist das nur für eine Gesellschaft geworden? Wenn ich zurückblicke, war es früher wichtiger, für Ideale einzustehen, als sich mit modischen Jeans zu bekleiden. Man schenkte sich gegenseitig Zeit – den Freunden, sich selbst, aber auch der Gemeinschaft. Wir versuchten, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren, und waren bereit, das eigene Ich zugunsten des Kollektivs zurückzustellen, um die Vision einer friedlichen Gesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Friedensbewegungen und gesellschaftliche Umwälzungen zum Wohle aller standen hoch im Kurs.

Nun sind wir über fünfzig Jahre weiter – und keines unserer damaligen Ziele haben wir wirklich erreicht. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, empfinde ich ein Gefühl des Versagens. Ich muss mir eingestehen, dass selbst ich diesen Idealen nicht gerecht geworden bin. Ich ertappe mich immer öfter dabei, mein eigenes Wohl in den Vordergrund zu stellen. Vielleicht liegt im Innersten auch die nackte Angst, etwas von unserem mühsam erarbeiteten Wohlstand zu verlieren. Mit großer Wehmut denke ich an die Zeit zurück, in der der Kampf um mehr Lohn weniger wichtig war als das Einstehen für eine Sache, an die man aus tiefstem Herzen glaubte. Und so ertappe auch ich mich beim nostalgischen Gedanken, dass früher doch vieles besser war.

Fröhliche Kinder in blauen Hosen lächeln und gestikulieren in einer großen Gruppe im Freien.

Die Illusion der Sicherheit

Ich bin ein Ich, das sich selbst liebt und verwirklicht – und das ganz ohne Kurse zur Selbstfindung. Ich bin in meinem Leben oft an Grenzen gegangen, aber nie mit dem Hintergedanken, dadurch die Selbstliebe zu erlernen. Auch heute noch bin ich bereit, die eigene Komfortzone zu verlassen, um Neues zu entdecken und zu erleben. Doch die bittere Wahrheit ist: Dieses Handeln entspringt fast nur noch meinem inneren Antrieb, etwas Neues für mich zu erleben, und nicht mehr dem Wunsch, übergeordnete Ideale zu unterstützen.

Die Ironie dieser Geschichte zeigt sich, wenn ich heute in den Spiegel blicke: Ich bin unzufrieden mit meinem Tun, weil ich zu sehr auf mich selbst und meine sogenannte Sicherheit fixiert bin. Es ist eine trügerische, finanzielle Sicherheit, die mir letztlich nur in jenen kurzen Momenten etwas bringt, in denen ich mir materiell etwas gönne. Doch diese Absicherung wird sich rächen, sobald sich die Gesundheit im fortgeschrittenen Alter plötzlich wendet. Werde ich dann behaupten können, für meine alten Ideale gelebt zu haben? Wohl kaum, denn im Alter wird die Kraft fehlen, sich noch einmal so vehement für sie einzusetzen.

Was wir hinterlassen

Der Spiegel in meinem Kopf wird immer klarer, nicht zuletzt durch die Eindrücke meiner vielen Reisen. Wir hier in Europa sind Glückskinder, wir leben im absoluten Schlaraffenland. Dass wir am Ende unseres Lebens nichts von all dem Materiellen mitnehmen können, weiß jeder von uns. Aber eines könnten wir tun: Wir könnten etwas hinterlassen, das unser bloßes Dasein überdauert.

Wir alle hinterlassen Fußspuren auf dieser Erde. Ob diese Spuren etwas zum Blühen bringen oder eher etwas vernichten – das allein entscheiden unsere Lebenseinstellung und unser tagtägliches Handeln. Es ist eben nicht die egozentrische Selbstliebe oder der krampfhaft gesuchte „eigene Weg“, der die Welt rettet. Kurse für das echte Leben gibt es nicht zu kaufen. Man kann sie nur im eigenen Herzen finden. Jeder trägt diesen Kompass in sich – die einen mehr, die anderen weniger. Doch leider ist unsere Gesellschaft derzeit fast nur noch mit sich selbst beschäftigt.

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Einstellungen