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Wasser im Kongo: Das Wunder der drei Fässer zwischen Urwald und Geopolitik

Die Grenze zwischen Kamerun und der Republik Kongo (Brazzaville) empfing uns mit jener typisch afrikanischen Mischung aus bürokratischer Neugier und einer Prise Willkür. Doch zu unserer Überraschung verlief alles ohne größere Probleme. Unser Visum wurde kaum eines Blickes gewürdigt; viel wichtiger waren den Beamten lange Erklärungen darüber, wie wir reisen, welche Route wir einschlagen und wo wir zu übernachten gedächten.

Auf diese Fragen eine Antwort zu geben, fällt uns schwer. Unser Reisen ist ein spontanes Treibenlassen – kein „Abhaken“ von Reisezielen nach einem strikten Plan, wie es für viele üblich sein mag. Wir lassen uns von Tipps anderer Reisender leiten oder lesen auf Polarsteps, was Gleichgesinnte wo erlebt haben. Ein klassischer Reiseführer über ein Land wie den Kongo wäre ohnehin Mangelware und vermutlich kaum auf unsere Art des Unterwegs-Seins zugeschnitten.

So erzählten wir den Grenzbeamten von den Gorillas im Urwald bei Camp Abio und unserem Wunsch, in Brazzaville ein paar gemütliche Tage zu verbringen. Dass die Beamten Camp Abio gar nicht kannten, sei nur am Rande erwähnt – man merkte deutlich, dass für diese Staatsdiener die Zentralregierung das Maß aller Dinge ist und eine Reise in die Hauptstadt Brazzaville bereits den Gipfel der Lebensleistung darstellt.

Überraschende Infrastruktur im Herzen Afrikas

Was uns sofort auffiel, war der Zustand der Straßen. Die Infrastruktur im Kongo ist erstaunlich gut – ein Aspekt, den ich bereits in anderen Berichten erwähnt habe. Direkt hinter der Grenze gab es noch eine etwas nachhaltigere Polizeikontrolle, doch danach wurden wir fast ausschließlich freundlich durchgewunken. Ein krasser Gegensatz zu vielen anderen Ländern Afrikas.

Auch das Landschaftsbild revidierte meine Vorurteile. Ich war der festen Überzeugung, der Kongo würde uns fast ausschließlich dichten, undurchdringlichen Urwald bieten. Doch abseits des Nordens öffnete sich eine hügelige, sattgrüne Landschaft, die fast frei von großen Wäldern ist. Die Gegend ist kaum besiedelt, nur hin und wieder unterbrochen von kleinen Dörfern oder Städten. Doch dazwischen erblickten wir immer wieder Industrie- und Fabrikgebäude – ein Anblick, der für uns in diesem Teil des Kontinents völlig ungewohnt war.

Trinkwasser als Lebenselixier: Ein logistisches Wunder

Es gibt eine Besonderheit im Kongo, die für uns fast an ein Wunder grenzt: die Organisation des Trinkwassers. Hier scheint die Devise zu gelten, dass sauberes Wasser ein Lebenselixier ist, das besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Fast in jedem Dorf stießen wir auf Container-Systeme, auf denen drei unterschiedlich farbige Fässer thronen. Es wurde uns schnell bewusst, dass dies ein zentrales Anliegen der Regierung sein muss – sicher auch vor dem Hintergrund, dass schmutziges Wasser weltweit mehr Todesopfer fordert als Malaria. Diese mobilen Trinkwasserwerke kosten den Staat vermutlich deutlich weniger als die Behandlung der Krankheiten, die durch kontaminiertes Wasser entstehen würden.

Wie funktionieren diese Anlagen? Das System ist so einfach wie genial und basiert auf drei „Lebenslinien“:

Rohwasser-Phase: Wasser aus Brunnen, Flüssen oder Regen wird im ersten Tank gesammelt. Hier setzen sich Schlamm, Sand und grobe Pflanzenreste ab.

Filtrations-Phase: Im zweiten Tank durchläuft das Wasser Schichten aus Kies, Sand und Aktivkohle. Hier werden Parasiten, Bakterien, aber auch Schwermetalle und Pestizide physikalisch und chemisch gebunden.

Desinfektions-Phase: Im dritten Fass wird das Wasser mit Chlor oder UV-Licht keimfrei gemacht. Erst jetzt ist es echtes Trinkwasser, das zu den Zapfstellen im Dorf geleitet wird.

Wer bezahlt die Rechnung? Geopolitik im Hinterhof

Wir würden die Augen vor der Wahrheit verschließen, wenn wir glaubten, diese Projekte entsprängen reinem Altruismus. Unsere Recherchen zeigen: Solche humanitären Projekte haben in Afrika fast immer einen wirtschaftlichen Hintergrund. Nicht der Kongo selbst finanziert diese Anlagen primär. Es sind Akteure wie China, die sich den afrikanischen Kontinent als „Vorhof der Macht“ gesichert haben, oft unterstützt von der Weltbank, UNICEF oder großen Ölkonzerne.

China baut diese Wasserwerke oft als Teil des Deals „Infrastruktur gegen Rohstoffe“. Der Kongo bekommt Wasser und Straßen; China bekommt Öl, Kupfer und Kobalt. Es ist ein Geschäft auf der großen politischen Bühne, bei dem das Überleben der Dorfbewohner zur Verhandlungsmasse wird.

Ein Vorbild für den Kontinent

Trotz der Anlagen bleibt die Verteilung eine Herausforderung. Entlang der Straßen sieht man oft blaue Fässer und Kanister. In größeren Dörfern übernehmen kleine Lastwagen den Transport des sauberen Wassers von den Anlagen zu den Sammelstellen an der Straße. Wo das nicht funktioniert, sieht man Menschen mit Schubkarren voller Kanister.

Doch der entscheidende Unterschied zu fast allen anderen afrikanischen Ländern ist die Sicherheit: Dort sieht man fast ausschließlich Kinder, die schwere Wassereimer auf dem Kopf aus unkontrollierten Bächen nach Hause tragen. Damit bringen sie oft unwissentlich gefährliche Krankheitskeime mitten in die Dorfgemeinschaft.

Hier könnte der Kongo mit seiner organisierten Wasserversorgung ein echtes Vorbild für viele andere Länder sein. Es könnte eines der größten humanitären Infrastrukturprojekte Afrikas werden, wenn der Wille da wäre und auch wir Europäer nicht nur die Augen verschließen würden, weil wir glauben, dass dort nur Krieg und Hunger herrschen.

Fazit: Mehr als nur H2O

Gesundes Wasser ist die Basis für alles. Ohne diese Anlagen gäbe es keine stabilen Dörfer, keine Schulen und keine Märkte. Die Menschen würden unaufhaltsam in die Ballungszentren wie Brazzaville flüchten.

Als Reisende merken wir: Die Menschen im Kongo sind arm – aber sie verdienen es, dass wir sie nicht vergessen. Auch wenn wir es nicht rein wirtschaftlich betrachten: Jedes dieser drei Fässer bedeutet ein Kind weniger, das an Durchfall stirbt. Eine Mutter weniger, die ihr Kind verliert. Und genau deshalb stehen sie dort – als stille Helden am Straßenrand!

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